Pflege

Eine Ansicht von unten auf einen Pferdehuf, die Sohle, Strahl und Wand zeigt, mit einer gräulichen, versteinerten oder steinartigen Textur.

Unsere Pferde leben in einer von uns Menschen gemachten Welt. Wir versuchen unser Bestes, um ihnen so natürliche Lebensumstände wie möglich zu schaffen.


In einer für sie natürlichen Umgebung würden Pferde am Tag mehrere Kilometer schrittweise vorwärts grasend gehen, sie würden mal spielen und toben, wenn sie ihre Lebensfreude zum Ausdruck bringen wollten oder aber auch fliehen, wenn es nötig sein sollte. Das zusammen ergibt ein Bewegungsbild, welches nicht nur den Stoffwechsel und Kreislauf beeinflusst und unterstützt, sondern auch die Hufe, den Abrieb und die Festigkeit des Horns bestimmen, sowie die Form des Hufes , eben je nach Untergrund auf dem sie leben.


Hier können wir Hufbearbeiter den Huf unterstützen, indem wir Horn da entfernen, wo es nicht durch natürlichen Abrieb von allein geschieht. Hier bedarf es keiner Korrektur oder gar Therapie, sondern lediglich einer kleinen Unterstützung, um den Huf gesund zu erhalten, bzw. den natürlichen Abrieb zu simulieren

Korrektur

Im Huf spiegeln sich auch die Themen, die den physischen Körper betreffen.


Durch evtl.  zu starke Belastung verursachte Verspannungen, kleinere Unfälle deren Folge Sehnen- und Bänderschäden sein können, Sohlenlederhautentzündung durch z.B. Prellung der Sohle  oder Überlastung auf ungewohnten Kieswegen/Asphalt, kann sich durch die Schmerzen die Körperhaltung z.B. in eine Schon- oder Vermeidungshaltung ändern, aber auch unpassende Bearbeitung oder Beschläge bringen das Pferd dazu.

Die beschlagenen Vorderhufe auf dem Bild gehören einem Pferd mit mehreren Baustellen wie Sehnenschäden, Kissing Spines und eine High-Low-Symptomatik. Es hatte sich eine Sohlenlederhautentzündung barhuf durch Überlastung entwickelt, so entschloss der Tierarzt, dass eine Stabilisierung des Hufes mit Eisen vonnöten sei. Diese entwickelte sich zunächst auch sehr gut. Unter den Eisen entwickelte sich dann aber ein Hornspalt an der Zehe vorne rechts, Keimbefall der weißen Linie und in den Nagellöchern an beiden Hufen. Zunächst wurden die Eisen entfernt, der Huf so gut es ging physiologisch unter Beachtung der schon vorhandenen Schäden bearbeitet. Die befallenen Hufanteile wurden behandelt, zuerst wurde es mit Hufschuhen versorgt, später bekam das Pferdchen einen Bekleb.


Hebel an der Hufkapsel können zu Hornspalten führen, da die Kapsel der Kraft der auseinanderziehenden Hufwände nicht mehr stand halten kann. Hier muss man genau hinsehen, wie weit der Hornspalt verläuft. Oft kann man diesen barhuf korrigieren, aber zuweilen benötigt man einen Bekleb oder Beschlag, der die Kapsel in der Heilungsphase gut unterstützt, indem er diese stabilisiert.

Der Hornspalt bei dem Huf auf dem Bild, brauchte knapp 6 Monate, um herauszuwachsen. Kurze Bearbeitungsabstände, immer wieder den Bereich aus der Last nehmen und gute Pflege der Besitzerin griffen ineinander und führten dann zum Erfolg. So konnten wir gemeinsam verhindern, dass die Wand eröffnet und ein Spezialbeschlag angebracht werden musste.


Therapie

Nahaufnahme eines Pferdebeins, zu sehen ist hellbraunes Haar am Fesselgelenk und ein dunkler, runder Huf vor weißem Hintergrund.

Ein therapiebedürftiger Huf braucht Teamwork.

Ob Laminitis (Rehe), Hufrollensyndrom, Hohle Wände, White-Line-Desease, hier ist nicht nur der Hufbearbeiter gefragt, sondern insbesondere der Besitzer und ggf. Tierarzt, Osteopath und/oder Physiotherapie.



Denn häufig sind Erkrankungen am Huf, Symptome von Erkrankungen im System, wie z.B. bei der Hufrehe. Hier liegt oftmals eine Grunderkrankung wie z.B. EMS oder PSSM zugrunde oder andere Stoffwechselentgleisungen wie eine Insulinresistenz.  Genauso gibt es aber auch Vergiftungsrehe, Nachgeburtsrehe und Belastungsrehe (Diese ist aber sehr selten geworden und stammt noch aus einer Zeit, in der Pferde lange mitmarschieren mussten, daher auch der Name Marschrehe.)

Hier wird Ursachenforschung zu einer der wichtigsten Aufgaben. Als Folge wird dann auch oft eine Haltungs- und/oder Ernährungsumstellung nötig.


Nach therapeutischer Korrektur der Hufsituation, ist es nötig auch die Körperthemen zu bearbeiten um das Pferd dabei zu unterstützen, sich wieder schmerzfrei physiologisch bewegen zu können.


Dem Besitzer muss sehr klar sein, dass eine Therapie auch immer mit hohen Kosten verbunden sein kann.

Denn einerseits ist in der Therapiesituation oft ein kürzerer Bearbeitungsintervall dringend erforderlich, manchmal auch unter Zuhilfenahme von z.B. Polster oder Bekleb/Beschlag, andererseits wird oft therapeutische Hilfe vom Tierarzt, Physiotherapie oder Osteopathie nötig. Auch kann evtl. ein Stallwechsel erforderlich sein, sollten die Haltungs- und Ernährungsbedingungen nicht im erforderlichen Maße umgesetzt werden können.


Auf diesen Bildern könnt ihr einen Pferdehuf mit Vergiftungsrehe und einen mit Stoffwechselrehe sehen. Von Außen wäre die Problematik kaum zu erkennen, diese sind Kapselrotation, Hufbeinrotation, Hufbeinabsenkung, mit Druck der Hufbeinspitze auf die Sohle, die durch den Druck zu dünn ist. Sohlenseitig könnte man auch eine Vorwölbung der Sohle erkennen können, aber das muss nicht grundsätzlich sein. Daher sind Röntgenbilder so wichtig.